Jen lebt in Buffalo (NY) und arbeitet neben dem Studium in einem Buchladen, als sie an einem schicksalhaften Abend die Liebe ihres Lebens kennenlernt… Doch die Liebe allein kann sie vor ihrem Schicksal nicht beschützen.

Genre: Romanze/Erotik/Drama
Rating: P18

Samstag, 6. August 2011

Kapitel 1: Der seltsame Nachbar

Mittwoch, 11. Mai, 8.15 Uhr

***Jennifer POV***
»Verdammt!«, murmelte ich und sprang aus dem Bett. Wegen des blöden Weckers hatte ich schon wieder verschlafen und kam nun zum zweiten Mal in dieser Woche zu spät zur Vorlesung. Wenn das so weitergeht, kann ich mir das Studium schenken und lieber den College Fonds für etwas sinnvolleres ausgeben, wie zum Beispiel meinen eigenen Buchladen. Ich arbeite zwar sehr gerne bei Maggie, aber ihre Räucherstäbchen und Kerzen... der ganze Tant... sind manchmal schon etwas merkwürdig. Meiner Meinung nach passt das eher in einen Coffee Shop, aber doch nicht in einen Buchladen.
Oh man, in einer Dreiviertel Stunde geht die Vorlesung los und ich brauch mit dem Fahrrad mindestens eine Stunde. Selbst wenn ich ein Auto hätte, wäre ich bei dem Verkehr nicht schneller. Ich hab's... ich kauf mir 'nen Helicopter von meinem College Fonds. Nee... genauso bescheuert. Ich wäre dann wahrscheinlich pünktlich an der Uni, aber da alles für den Heli drauf gegangen ist, ist dann auch nichts mehr fürs Studium übrig.

Nach knapp über einem Jahr bin ich noch immer unschlüssig, was ich eigentlich will. Ich schwanke ständig zwischen englischer Literatur und Kunst. Meine Eltern werden auch langsam ungeduldig und fragen bei jedem unserer Telefonate nach, wie das nächste Semester aussehen soll. Nicht nur, dass sie mich damit ziemlich unter Druck setzen, es nervt auch zudem.
An Weihnachten war mein Vater drauf und dran mir die Miete zu streichen. Meine Mutter konnte ihn gerade noch beruhigen. Warum musste er denn auch schon wieder zum bestimmt millionsten Male unbedingt von Marc anfangen - mein ach so geliebter Bruder. Er hatte ohne Umschweife nach dem College in Havard Medizin studiert und ist inzwischen der jüngste und einer der erfolgreichsten Schönheitschirurgen in Beverly Hills. Wenn es ihn glücklich macht... Ich bin eben noch unentschlossen und möchte meine Freiheit lieber noch etwas genießen. 

Natürlich kam ich zu spät... diesmal sogar ganze 30 Minuten, da es auf der Main Street einen Unfall gab und ich dadurch einen Umweg in Kauf nehmen musste. Dekan Brady schaute nur ziemlich ungehalten auf seine Uhr als ich völlig außer Atem in den Saal stürmte.
Was hatte ich mir nur damals dabei gedacht, in Buffalo unbedingt dieses Appartement am Lakefront Boulevard zu nehmen, eine Stunde vom Campus entfernt. Aber der Balkon und der Ausblick auf den Eriesee waren einfach atemberaubend und mit der Höhe der Miete waren meine Eltern auch einverstanden. Allerdings fragte mich meine Mutter, wofür ich denn ein zweites Schlafzimmer mit Bad bräuchte. »Na für euch, als Gästezimmer, wenn ihr mich besuchen kommt«, hatte ich damals, bei dem Versuch überzeugend zu klingen, geantwortet. Meine Mom hatte mich bisher einmal besucht, während Dad wegen Vertragsabschlüssen als Investmentbanker in Tokyo unterwegs war. Seitdem bewohnt die meiste Zeit mein Fahrrad dieses Zimmer.

Die Stunden zogen sich in die Länge, bis es endlich zur Mittagspause läutete. In der Cafeteria traf ich auf Ashley, meine beste - und einzige - Freundin. »Ashley, hier in der Cafeteria scheint keine Sonne, also setz die Sonnenbrille ab.«
»Das Licht tut weh«, grummelte sie nur. Meine kleine Ashley war mit ihren 1,65 m um ganze 13 cm kleiner als ich, aber konnte - was Alkohol betraf - doch einiges wegstecken. Am gestrigen Abend hatten wir es wohl doch etwas zu sehr übertrieben. Ihre langen braunen Haare hingen schlaff über ihren Schultern und Ashleys Oberkörper hing mehr über dem Tisch als das sie saß.
»Ash, bitte lass uns unter der Woche nie wieder ins 'Dive' gehen. Ich bin heute Morgen 'ne halbe Stunde zu spät gekommen und mir dröhnt immer noch der Schädel.«
»Mmh«, kam nur von rechts.
»Bist du gestern mit Jackson nach Hause?«, versuchte ich ein Gespräch aufzubauen, um selbst nicht einzuschlafen.
»Nö... der wollte noch bei 'nem Kumpel vorbeischauen«, brummte Ashley den Tisch an, während sie mit dem Gesicht nach unten auf ihren verschränkten Armen lag. 

»Ich muss um drei noch in den Laden, telefonieren wir heute Abend?«, fragte ich Ashley als wir auf dem Weg zur nächsten Stunde waren.
»Ich denke schon. Jacks wollte heute noch vorbeikommen. Der kriegt mich aber nicht mehr aus der Bude. Nie wieder rühr ich auch nur einen Schluck Alkohol an.«
»Das sagst du jedes Mal und tust es dann trotzdem sobald der erste Tequila auf dem Tisch steht.« Ich versuchte mir ein Lachen zu verkneifen. Ashley antwortete nur mit einem Schnauben. 

Im Laden war nicht viel los. Nachdem Maggie einkaufen gegangen war, setzte ich mich hinter die Kasse und gab mich einem weiteren literarischen Werk hin.

Völlig müde und ausgelaugt schob ich mein Fahrrad in den Fahrstuhl und drückte auf die 9, als jemand im letzten Moment die Fahrstuhltüren wieder aufschob. Ich schaute nur auf meine Füße und spielte an meinem iPod herum, als mir eine Männerstimme ins Ohr flüsterte: »Darf ich auch mal hören?«
Erschrocken sah ich auf. »Jackson? Was machst du denn hier?«
»Hi. Ich will nur 'nen Kumpel besuchen. Dem geht’s nicht so sonderlich gut.«
»Oh, was fehlt ihm denn?«
»Der Ärmste hat Liebeskummer.«
»Und du willst ihn jetzt wieder aufbauen und unter die Leute bringen?«
»Ha...«, er lachte auf. »Das versuch ich nun schon seit vier Monaten.«
»Autsch, da muss es ihn aber schwer erwischt haben. Und seine Angebetete will nichts von ihm wissen?«
»Nicht mehr. Sie hat ihn verlassen.«
»Das ist übel. Kann ich dir irgendwie behilflich sein?« Obwohl ich seinen Kumpel nicht kannte, hatte ich Mitleid mit ihm.
»Nee nee, lass mal. Aber wenn du Lust hast können wir uns am Freitag im 'Dive' treffen. Ash kann dich ja abholen.«
»Ich weiß nicht.«
Jackson sah mich bittend an. »Och komm schon, das wird sicher wieder lustig.«
»OK. Ich überlegs mir und sag Ashley dann Bescheid. So, hier muss ich raus. Man sieht sich.«
»Jep... mach's gut.«
Bevor sich die Türen schlossen rief ich Jackson noch zu: »Sag deinem Kumpel 'nen schönen Gruß von mir und nimm ihn Mal in den Arm«, grinste ich.
»Pff«, kam nur noch aus dem Fahrstuhlinneren und schon waren die Türen zu.

Die heiße Dusche tat gut. Ich nahm mir meine Decke vom Bett, kuschelte mich auf der Couch zusammen und blätterte in meiner völlig zerlesenen Ausgabe von Romeo und Julia herum. Aber schon nach den ersten paar Zeilen über Herzschmerz und verbotener Liebe schweiften meine Gedanken ab und ich musste an Jacksons Kumpel denken, der wahrscheinlich direkt über mir vor Liebeskummer verging.
Ich merkte wie sich Müdigkeit breit machte und schlurfte in Richtung Schlafzimmer.

Freitag, 13. Mai

Ich sah in meinen Kalender. Na toll, das passt ja. Wo ich doch Unfälle magisch anzog. Allerdings ging es schon auf 12 Uhr zu und ich befand mich noch nicht in der Notaufnahme, sondern saß mit Ashley in der Cafeteria und ließ mich gerade von ihr dazu überreden, mit ihr und Jackson heute Abend ins 'Dive' zu gehen.
»Ach komm schon. Das wird lustig.«, quiekte Ashley mir von der Seite ins Ohr.
»Das hat Jackson auch schon gesagt, aber ich bin müde.«
»Schlafen kannst du morgen den ganzen Tag.«
»Das werd ich wahrscheinlich auch müssen, wenn es wieder so ein Abend wie Dienstag wird.«
Ashley klatschte freudestrahlend in die Hände. »Super! Ich bin um 9 bei dir.«

Mit der Pünktlichkeit nahm es Ashley nie so genau. Was manchmal auch seine Vorteile hatte. So konnte ich mich noch einmal umentscheiden und zog mir einfach meine alten Jeans und das blaue Tank-Top an. Auf Männerfang war ich zumindest nicht eingestellt und hoffte, dass sie mich auch nach wie vor in Ruhe ließen. Fünfzehn Minuten nach neun war sie endlich da.

Maddie - eigentlich hieß sie ja Madelaine -, Michael und Paul waren schon im 'Dive'. Wir kannten uns von der Uni und verbrachten gelegentlich feuchtfröhliche Abende fernab vom Campus. Zur Begrüßung bekam jeder ein Küsschen auf die Wange. Unser Stammplatz befand sich im hinteren Bereich der Bar etwas abgeschirmt vom übrigen Treiben.
Michael hatte schon die erste Runde Tequila bestellt als Jackson um die Ecke kam und jemanden mehr oder weniger hinter sich her zog. Ich sah kurz auf und mir stockte der Atem. Noch nie hatte ich solche Augen gesehen. Mir versagten augenblicklich alle Sinne.
»Hey Leute, das ist Rob. Er hat heute Geburtstag, also seit lieb zu ihm«, rief Jackson in die Runde. Ich sah wie ein verlegenes Lächeln über Robs Lippen flog.
Als sein Blick meinen traf schaute ich schnell zu Ashley und fragte sie: »Hast du deine Buchbesprechung eigentlich schon fertig?«
»Äh... was? Wie kommst du denn jetzt da drauf. Lass uns lieber Tanzen.« Sie versuchte mich mit sich zu ziehen und als sie keinen Erfolg hatte schnappte sie sich Jackson und zog ihn am Kragen zur Tanzfläche.
Rob setzte sich, die Hände in den Hosentaschen vergraben, mit gesenkten Kopf zögerlich auf Ashleys Platz neben mich und starrte vor sich hin.
»Hi, ich bin Jen«, wandt ich mich um und streckte ihm die Hand entgegen. Er sah nur kurz auf, verzog leicht die Mundwinkel und blickte sofort wieder stur geradeaus. »Gratuliere zum Geburtstag«, fügte ich noch schnell hinzu.
»Mmh«, brummte er nur.
Was ist denn mit dem los? Stimmt irgendwas nicht? Bin ich zu aufdringlich? Ich habe ihm doch nur gratuliert!? Bevor ich noch einen weiteren Versuch starten konnte, sprang er auf und lief schnellen Schrittes Richtung Ausgang.
»Hey Rob, wo willst du denn hin? Wir haben doch noch gar nicht auf dich angestoßen«, rief ihm Jackson hinterher, der gerade mit Ashley vom Tanzen zurückkam.
Komischer Kerl, dachte ich und nippte gedankenverloren an meinem Bier.
Die gute Laune wollte sich an diesem Abend nicht mehr einstellen und ich verabschiedete mich bereits um 23 Uhr von Ashley. »Süße, alles OK bei dir? Du siehst so bedrückt aus«, fragte sie mich.
»Nein nein, ich bin nur müde. Bis Montag dann.« Ich rief mir ein Taxi und fuhr nach Hause.

Kommentare:

  1. Hi Kati, ich habe das erste Kapitel nochmal "verschlungen", obwohl ich es schon kannte, sozusagen als Vorpremierenleser, hi hi.
    Ich werde die Kapitel verfolgen, denn das ist bestimmt der Beginn deiner Schriftstellerkarriere. Lädst du mich zur Buchpräsentention ein? Die ist doch bestimmt in Buffalo, oder?
    Liebe Grüße Gaby

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  2. Sooooo nun aber meine Liebe,
    besser spät als nie. Ich lese. Stolz?! ;)
    Der Titel klingt schonmal vielversprechend.Aber das weißte ja schon. :-)
    Also ein wenig verwirrt bin ich noch... also es ist ja ne Realperson FF... aber in diesem Fall keine, in der die Stars Stars sind, sondern normal?
    Find ich gut. Das mal was ganz anderes. Eine mürrische verkaterte Ash gefällt mir ganz gut. Auch wenn ich ja kein so wirklicher Fan bin (die böse hat über Rob gelästert)
    Und unsere Jennifer ist also ein Tollpatsch. Der Unheil anzieht. *haha* Das ist immer wieder lustig. Da hat man immer was zu lachen.
    Ich wedel mal mit dem Jackson Fähnchen, weil der für seinen "Kumpel" da ist auch wenn es um etwas banales wie Liebeskummer geht. :-)
    Ash aufgekratzt... erinnert mich an Alice... find ich aber sehr sympatisch. Also bei Partys ist sie ganz vorn dabei. :-D
    Und da ist er: Mr. Perfect. Mein Traummann. Der Mann meiner Schlaflosen Nächte. ROB!!!
    Und er hat Geburtstag... was für eine süße Idee...Aber er ist wortkarg. Kein Wunder, er hat ja auch Liebeskummer. ;-)
    Traurig aber niedlich. *g*
    Aber er zieht von dannen. Ein wenig unhöflich. Aber naja... das kommt schon noch. Er ist süß.
    Und jenny ist gekränkt... ach man... ich bin gespannt wie es weiter geht. :-)
    Also hau in die Tasten meine Motivationsfee...
    Hab dich lieb
    :-*
    Anja

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  3. so...hab das erste kapitel gelesen und mir hat wirklich gefallen was ich gelesen habe =)
    deswegen folge ich dir jetzt mal und freue mich darauf noch mehr zu lesen!

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  4. Hallo,

    dein Schreibstil gefällt mir sehrgut. Du hast eine neue Followerin gewonnen :D

    LG M.J. Sky

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  5. Liebe Kati,
    nicht Freitag, der 13. sondern Mittwoch der 19, und ich stolper so mir nichts, dir nichts, über einen waschechten Blogroman! :)
    Das allein wäre jetzt nicht so bedeutend, wenn, ja wenn ich nicht vor etwa 45 Minuten eine Blogroman-Fanpage auf Facebook erstellt hätte, weil ich mich mit den anderen Romanbloggern gerne vernetzen würde.
    Deine Geschichte klingt echt vielversprechend, und ich würde mich sehr freuen, von dir zu hören.
    Mein Blogroman ist hier zuhause: www.racheplan.com
    Dort findest du auch jede Menge Kontaktmöglichkeiten, und hast hoffentlich viel Spaß (oder bist zumindest schadenfroh, wenn du liest, was ich verbockt habe) ;)
    Alles Liebe, Maya

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