Jen lebt in Buffalo (NY) und arbeitet neben dem Studium in einem Buchladen, als sie an einem schicksalhaften Abend die Liebe ihres Lebens kennenlernt… Doch die Liebe allein kann sie vor ihrem Schicksal nicht beschützen.

Genre: Romanze/Erotik/Drama
Rating: P18

Donnerstag, 18. August 2011

Kapitel 3: Sonnenuntergang

***Jennifer POV***
Maggie hatte mich schon eine Stunde früher entlassen, so dass ich einige Einkäufe erledigen konnte, damit mein Kühlschrank nicht noch gänzlich vor Einsamkeit starb. Sogar etwas Obst gönnte ich mir dieses Mal. Ich hatte gerade meine vollen Einkaufstüten abgestellt, als es an der Tür klingelte. Erschrocken sah ich auf die Uhr an der Mikrowelle - er ist eine dreiviertel Stunde zu früh.
Ich lief zur Tür. »Ich bin doch noch gar nicht fertig«, quieckte ich und fuhr zusammen, als Ashley plötzlich vor mir stand.
»Überraschung!«, schrie sie fast, als sie mir um den Hals fiel.
Die war ihr wahrhaftig gelungen. Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Ashley hatte wohl meinen enttäuschten Gesichtsausdruck bemerkt, als sie sagte: »Hast du jemand anderes erwartet?«
»Nein... Doch... ja... also...«, stotterte ich, den Blick auf den Boden gerichtet.
»Hey Süße, das ist doch toll. Wer ist es denn? Kenn' ich ihn? Ist er nett? Jemand von der Uni?«, überfiel sie mich mit ihren Fragen.
Ich starrte noch immer auf den Boden und wusste nicht so recht, wie ich es Ashley sagen sollte.
»Es ist Rob«, platzte es schließlich aus mir heraus. Ich spürte wie ich rot anlief.
»Oh«, sagte sie nur. Im nächsten Moment schien sie aber schon wieder hellauf begeistert davon, denn sie drückte sich an mir vorbei in die Wohnung, schloss die Tür und zog mich lachend mit sich in mein Schlafzimmer. »Dann werden wir mal dein Ankleidezimmer auf den Kopf stellen.«

Während ich schnell unter die Dusche sprang, warf Ashley ein Kleidungsstück nach dem anderen aufs Bett und bedachte jedes mit einem abwertenden Kommentar. »Wir müssen unbedingt mal wieder Shoppen gehen«, brüllte sie ins Bad. »Du hast ja so gut wie nichts zum Anziehen.«
Ich wusste, dass Ashley nichts lieber als das tat; stundenlang von einem Laden zum anderen. Allein bei der bloßen Vorstellung taten mir schon wieder die Füße weh, wenn ich an ihren letzten Kaufrausch zurückdachte.

Nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit alle möglichen Variationen ausprobiert hatten, entschied sie, dass mir das kurze weiße Sommerkleid und die graue Strickjacke am besten standen, dazu graue Ballerinas und sie quiekte vergnügt, während sie wie ein Flummi auf und ab hüpfte: »Perfekt!«

***Robert POV***
15.55 Uhr … Ich konnte keine Minute länger warten und wollte gerade an ihrer Tür klingeln, als Jackson aus dem Fahrstuhl trat.
»Hey Kumpel. Was machst du denn hier?«, fragte er überrascht und grinste mich an.
»Ich bin mit Jen verabredet. Und was willst du hier?«, fragte ich zurück und sein Grinsen wurde noch breiter.
»Ich wollte Ash abholen und mit ihr Essen gehen. Sie rief mich vorhin an, dass sie hier sei.«
»Oh. Ach so«, sagte ich nur und klingelte schließlich.
Ich hörte jemanden hinter der Tür laut lachen, als diese auch schon aufging und Ashley mich freudestrahlend in die Arme schloss, mir einen Kuss auf die rechte Wange drückte, um sich dann Jackson an den Hals zu werfen.
Als Jen aus dem Schlafzimmer kam, viel mir fast die Kinnlade runter. Sie sah so... wunderschön aus. Ihre braunen langen Haare fielen locker über ihre Schultern und unterstrichen ihren sonnengebräunten Teint. Als sich unsere Blicke trafen, schaute sie verlegen zu Boden und machte einer überreifen Tomate Konkurrenz - was ihre Schönheit nur noch mehr hervorhob.
»Wo soll's denn hingehen?«, fragte Jackson in die eingetretene Stille.
»Wir wollten spazieren gehen und einen Kaffee trinken«, erwiderte ich darauf.
»Wie wär's, wenn wir alle zusammen rüber nach Kanada zu 'Rina's Place' in Fort Erie fahren und uns 'ne Pizza gönnen. Anschließend könnten wir dann dort den Sonnenuntergang am Crescent Beach genießen«, schlug Jackson vor.
»Hey man, bist du jetzt unter die Romantiker gegangen? So kenn' ich dich ja gar nicht«, feixte ich und gab ihm einen leichten Boxhieb auf den Oberarm.
»Ich muss meiner Süßen doch auch mal die schönen Seiten des Lebens zeigen«, grinste er breit zurück und küsste Ashley.
»Jen, was meinst du dazu? Lust?«, sah ich sie erwartungsvoll an.
»Klingt eigentlich nicht schlecht. Hunger hätte ich auf jeden Fall«, gab sie lächelnd zur Antwort.
»Na dann, auf geht’s«, meinte Jackson und wir machten uns auf den Weg.

Die halbstündige Autofahrt hatte Ashley völlig für sich beansprucht, denn sie plapperte ohne Unterbrechung über alles mögliche. Jen saß neben mir auf dem Rücksitz und schaute aus dem Fenster. Gelegentlich nickte sie kurz, wenn Ashley eine Frage gestellt hatte. An was dachte sie wohl gerade?

Die Pizza schmeckte wie immer ausgezeichnet. Vor einigen Wochen hatten Jackson und ich 'Rina's Place' deshalb zu unserem Stammrestaurant ernannt.
Der Abend wurde von Stunde zu Stunde ausgelassener und Jen schien auch immer mehr aufzutauen. Nach der dritten Flasche Rotwein zahlten wir die Rechnung und machten uns auf den Weg zum Strand. Ashley sprang wie immer vorne weg, da sie es nicht erwarten konnte ihre Schuhe auszuziehen, um den Sand live auf der Haut zu spüren - wie sie es ausdrückte. Jen versuchte ebenfalls ihre Schuhe auszuziehen und wäre fast umgefallen, wenn ich sie nicht gerade noch zu fassen bekommen hätte. Für einen Moment starrten wir uns wieder in die Augen und am liebsten hätte ich jetzt ihre weichen Lippen gekostet. Doch Ashleys Quieken und Lachen riss uns aus unserem momentanen Zustand und verlegen half ich Jen wieder auf die Beine. Wir breiteten die mitgebrachten Decken aus und setzten uns. Außer uns war niemand hier.

Schreiend sprang Ashley zurück nachdem sie die Wassertemperatur getestet hatte und merkte, dass es doch noch zu kalt war.
»Verrückte Nudel«, murmelte Jen neben mir.
»Frierst du?«, fragte ich sie, da sie die Arme um die Knie geschlungen hatte.
»Ein bisschen. Aber es geht schon.«
»Hier. Bitte.« Ich zog meine Jacke aus und legte sie ihr um die Schultern, dabei ließ ich meinen rechten Arm auf ihrer Schulter liegen. Als ich spürte wie sie zitterte, zog ich sie näher an mich heran und vernahm ein leises zufrieden klingendes Seufzen von ihr.

***Jennifer POV***
Als Rob mich an sich zog und ich seine wohlige Wärme spürte, fühlte ich mich wie im siebten Himmel und schien auf Wolken zu schweben. Ich wünschte der Abend würde nie enden, als Jackson auf seiner mitgebrachten Gitarre Still Got The Blues von Gary Moore zu spielen begann.

Doch leider wurde es immer kälter und wir machten uns eine Stunde später auf den Heimweg. Jackson setzte uns vor dem Haus ab und fuhr mit Ashley gleich weiter, die inzwischen eingeschlafen war.
Rob brachte mich bis zur Wohnungstür. Er hauchte mir einen Kuss auf die Wange. »Gute Nacht«, sagte er und lief in Richtung Treppenhaus. Bevor er durch die Tür verschwand drehte er sich jedoch noch einmal um. »Ich fand den heutigen Abend sehr schön«, strahlte er über das ganze Gesicht. Seine Augen schienen zu funkeln. Dann wandt er sich wieder um und fort war er.

Ich spürte noch immer ein leichtes Kribbeln auf der Wange, wo mich seine Lippen berührt hatten, als ich im Bett lag und an seine Umarmung am Strand zurückdachte.

~oOo~

Wer kommt denn am Sonntagmorgen um 8 Uhr auf die blöde Idee mich aus dem Bett zu klingeln, dachte ich, als ich noch völlig verschlafen auf den Wecker auf meinem Nachttisch schaute.
Ungehalten und drauf und dran demjenigen die Hölle heiß zu machen, riss ich die Tür auf. »Welcher Idiot...«, weiter kam ich gar nicht, denn Rob drückte mir eine Tüte in die Arme und schob sich an mir vorbei in die Wohnung.
»Magst du lieber Croissants oder Brötchen?«, rief er mir aus der Küche zu, während ich immer noch völlig verdattert an der Tür stand und ihm hinterher starrte. »Jen?«, fragte er nach einer Weile und schaute um die Ecke, da ich - noch immer regungslos - nicht auf seine Fragen reagierte. »Hallo? Jen? Schlafwandelst du?... Ich hatte gefragt, wie du deinen Kaffee trinkst?«
Noch immer leicht geschockt von dem morgentlichen 'Überfall' antwortete ich mit rauer Stimme »Ähm... süß... und viel Milch.«
Während Rob weiter in der Küche Lärm veranstaltete, versuchte ich mich zu sammeln und erschrak, als ich mich im Spiegel an der Wand mir gegenüber erblickte. »Ich bin mal kurz im Bad«, rief ich hastig in Richtung Küche, stellte die Tüte auf die Kommode im Flur und knallte im nächsten Moment die Badtür hinter mir zu.
Verwundert starrte ich in den Spiegel. Wieso hat er bei diesem Anblick nicht gleich wieder reißaus genommen. Ich seh ja furchtbar aus... Das Durcheinander auf meinem Kopf krieg' ich mit der Bürste allein nicht hin.
Unter der Dusche atmete ich tief durch und ließ mir das warme Wasser übers Gesicht laufen.

Rob hatte scheinbar gerade alles fertig auf dem Balkon aufgetischt, als er mich frisch geduscht und noch mit feuchten Haaren in der Tür stehend dabei ertappte, wie ich ihn gedankenverloren beobachtete.
»Bitte schön, Mylady!«, sagte er schließlich lächelnd und zog den Stuhl zurück, damit ich mich setzen konnte. »Oh, ganz alte Schule«, stichelte ich, während ich Platz nahm.
»Ja, Mom und Dad haben sehr auf meine Bildung geachtet«, lachte Rob laut los.

Nachdem wir fertig waren mit dem Frühstück - er hatte wahrlich an alles gedacht, sogar an Erdbeeren - half Rob mir beim Abwasch, aber nicht bevor er sich fünf Minuten darüber aufgeregt hatte, wie man im 21. Jahrhundert ohne Geschirrspüler leben - oder vielmehr überleben - konnte.
Bei jedem sauberen Geschirrteil, dass ich ihm reichte, schüttelte er den Kopf und gluckste vor sich hin. Ich hielt ihm die letzte Gabel vor die Nase. Als er wiederum verächtlich lachte, konnte ich nicht anders und spritzte ihn mit dem restlichen Abwaschwasser voll, welches ich im Begriff war abzulassen.
»Oh, das schreit nach Rache«, rief er, während ich lachend aus der Küche flüchtete.
Als er mir eine gefühlte Ewigkeit erfolglos durch die Wohnung hinterher rannte und ich gerade erneut ein Ausweichmanöver starten wollte, bekam er mich auf dem Balkon zu fassen und drängte mich in die hinterste Ecke.
»So... hab ich dich endlich«, keuchte er triumphierend und völlig außer Atem. »Nun, sagt an holde Maid, wie gedenkt ihr Euch von der bevorstehenden Strafvollstreckung freikaufen zu wollen?«
Ich kniff die Augen zusammen und lächelte ihn verschmitzt an, aber anstelle ihm zu antworten, versuchte ich unter seinen Armen, die er rechts und links von mir an die Hauswand gestemmt hatte, zu entkommen. Doch mit einem schnellen Griff umschlangen mich von hinten seine kräftigen Arme. Ich quiekte laut los und versuchte mich erneut loszureißen.
»Das könnte dir so passen. Strafe muss sein.« Er schien zu überlegen, als er mich plötzlich - noch immer mit seinen Armen umschlungen - zu sich herumdrehte und anlächelte. »Dafür musst du heute Abend für uns kochen.«
»Na dann, die Strafe werde ich verkraften. Aber ich warne dich, vielleicht ist diese Strafe mehr für dich eine als für mich«, grinste ich ihm entgegen.
Er lachte laut auf. »Das riskiere ich gern.«
Als sich unsere Blicke trafen verstummte er. Sein Gesicht kam immer näher auf mich zu bis sein Mund nur noch einen Hauch von meinem entfernt war. Ich schloss die Augen und hielt die Luft an, als er seine Lippen behutsam auf meine drückte. Ein leichter Schauer durchfuhr mich. Doch plötzlich und viel zu schnell löste er sich wieder von mir und trat einen Schritt zurück. Er starrte mich an als hätte man ihn bei etwas Unanständigem erwischt, was ihm zutiefst peinlich war.
»Es... tut mir leid. Das wollte ich nicht«, brachte er schließlich hervor.
Bevor ich etwas erwidern konnte klingelte sein Handy. »'tschuldige, da muss ich rangehen«, murmelte er nur und ging ins Wohnzimmer.
Ich stützte mich mit den Händen am Geländer ab und starrte auf den See hinaus.

Wenige Minuten später erschien Rob wieder in der Balkontür. »Die Arbeit ruft. Ich muss kurzfristig zu einem Termin. Leider müssen wir unser Abendessen verschieben.«
»Aber heute ist doch Sonntag?«, als mir einfiel, dass ich gar nicht wusste was er beruflich tat, aber danach wollte ich ihn ein anderes Mal fragen. Er zuckte mit den Schultern. »Schade. Den Termin kannst du wohl nicht verschieben?«, fragte ich etwas enttäuscht.
»Nein, leider nicht.« Rob verabschiedete sich, indem er kurz die Hand hob und war dann auch schon verschwunden.

Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass es kurz nach elf war... was sollte ich mit dem angebrochenen Tag machen? Ashley anrufen? Sie wird wahrscheinlich den ganzen Sonntag mit Jackson im Bett verbringen.
Kurzerhand schnappte ich mir ein Buch, eine Decke, etwas zu trinken und machte mich mit dem Fahrrad auf in den Park. Dort suchte ich mir ein ruhiges Plätzchen und breitete meine Decke aus. Auf dem Bauch liegend versuchte ich Hemmingways Worte in mich aufzunehmen, doch es wollte nicht so recht gelingen. Immer wieder musste ich einzelne Sätze mehrmals lesen, da meine Gedanken ständig zu diesem kurzen Moment abschweiften, als sich unsere Lippen berührten.

Nach weiteren kläglichen Anläufen klappte ich das Buch schließlich zu, drehte mich auf den Rücken und schloss die Augen.

1 Kommentar:

  1. Und nochmal ein kleiner Kommentar meinerseits...
    Es ist ja schon irgendwie niedlich, wie Ashley erst so verdutzt ist, dass Jen sich mit Rob trifft,
    ihr dann aber voller Begeisterung hilft ein Outfit zu finden
    Ich musst gestehen, dass ich erst ein wenig enttäuscht war, dass sie nichts allein machen. *g*
    Aber da ich Ash klasse finde (zumindest in deiner Geschichte) und Jackson eh mein kleiner Strahlemann ist, sei dir verziehen.
    Man merkt den beiden schon an, dass sie viel füreinander übrig haben. Niedlich wie er ganz Gentleman like ihr seine Jacke gibt. *g*
    Holla, jetzt geht es ja doch ziemlich schnell mit den Beiden. *g* Und flupps war er da. DER ERSTE KUSS!!! *kreisch*
    So sweet. Aber wieso kommt denn jetzt ein Termin dazwischen? Und vorallem was für einer? *grübel*
    Da muss ich wohl schnell weiterlesen.
    War wieder ein super Chap. Du hast das echt drauf Motivationsfee (willste dich nicht unbenennen? das würde besser passen ;)
    Eine kleine Anmerkung/Kritik hab ich vielleicht. Ich muss sagen, dass ich es bei den Geschichten immer lieber habe, wenn die POV's nicht ganz sooo oft gewechselt werden.
    Jedes Chap eine andere POV find ich vollkommen okay, einmal in einem Chap auch, aber öfter find ich denn doch meist "anstrengend" weil man meist denn so in den einen Teil vertieft ist
    und dann im Lesefluss unterbrochen wird, mit total anderen Gedanken.
    Aber sonst wie gesagt klasse Sache machste da.
    HDL :-*

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