Jen lebt in Buffalo (NY) und arbeitet neben dem Studium in einem Buchladen, als sie an einem schicksalhaften Abend die Liebe ihres Lebens kennenlernt… Doch die Liebe allein kann sie vor ihrem Schicksal nicht beschützen.

Genre: Romanze/Erotik/Drama
Rating: P18

Sonntag, 28. August 2011

Kapitel 4: Neue Bekanntschaften

***Jennifer POV***
Ich musste wohl eingeschlafen sein, als ich plötzlich etwas Schnüffelndes neben meinem rechten Ohr vernahm. Ich öffnete die Augen und sah eine feuchte Hundenase immer näher kommen.
»Lemon!«, hörte ich eine männliche Stimme hinter mir laut rufen.
Lemon?... Scheinbar schien dem kleinen Beagle der Name nicht zu gefallen. Zumindest reagierte er nicht darauf. Er hockte sich neben mich auf die Decke und ließ sich von mir hinterm Ohr kraulen. »Na du kleiner Streuner. Versteckst du dich vor deinem Herrchen?«
Plötzlich kam jemand hinter mir aus dem Gebüsch geschossen und Lemon schmiegte sich noch dichter an mich. »Lemon, verdammt noch mal. Ich such' mir hier 'nen Wolf und du baggerst wildfremde Frauen an.«
»Na ja, meines Wissens ist das ein Beagle und kein Wolf!«, fachsimpelte ich. Würde Lemon mich verstehen, hätte er mir mit Sicherheit zugestimmt.
»Entschuldige die Belästigung. Der kleine Ausreißer gehört meiner Verlobten. Wie du siehst, mag er mich nicht besonders«, versuchte er die Situation zu rechtfertigen. »Hi, meine Name ist Tom Sturridge.«
»Hallo... Jennifer Larsson«, stellte ich mich vor, setzte mich auf und reichte ihm die Hand entgegen. »Aber Jen reicht völlig aus«, fügte ich noch hinzu.
Tom schien das als Einladung zu werten und setzte sich einfach neben mich auf die Decke. »Zum Glück ist er hier gelandet. Ich dachte schon er wäre auf und davon. Dann hätte ich aber die Hölle auf Erden gehabt, wenn ich das Amber hätte beibringen müssen.«
Lemon genoss ganz offensichtlich meine Streicheleinheiten und Tom blabberte wie ein Wasserfall. Doch vor meinem inneren Auge tauchten schon wieder Robs immer näher kommende Lippen auf.
»...wir wollten eigentlich nur übers Wochenende bleiben, aber Amber gefällt es hier so gut, dass sie es sogar in Erwägung zieht hierher zu ziehen. Wohnst du schon immer hier?«, riss er mich aus meinen Gedanken.
»Wie?... Oh... äh... nein, ich studiere hier seit knapp einem Jahr. Eigentlich komme ich aus New York«
»Was studierst du denn?«
»Momentan Kunst und Literatur«, antwortete ich knapp.
Aber er wollte es wohl genauer wissen. »Momentan? Bist du noch unschlüssig?«
Eigentlich hatte ich gar keine Lust Tom hier und jetzt meine Studienambitionen offenzulegen, zumal ich ihn nicht einmal kannte, aber seine doch recht offene Art sehr sympathisch fand. »Ein wenig. Seit einiger Zeit liebäugel ich etwas in Richtung Psychologie.«
»Dann melde ich mich schon mal für die rote Couch an«, witzelte er und lachte laut auf. Sein offenes und unbeschwertes Lachen erinnerte mich erneut an Rob, und ich bemerkte, dass er genauso verdammt gut aussah - viel zu gut. Von seinen braunen Haaren konnte ich nicht viel erkennen, da die Beanie zu viel verdeckte, doch seine schmalen blauen Augen strahlten regelrecht, während Tom noch einige Anekdoten seiner bisherigen Reisen zum besten gab... Der Mann scheint viel rumgekommen zu sein, obwohl er nicht älter als 25 sein konnte. Mir fiel auch der leicht britische Akzent auf, den ich schon bei Robert bemerkt hatte, aber mir nichts weiter dabei dachte, da es ja nicht ungewöhnlich ist, zumal in den Staaten - laut Professor Nicholls - mehr als 70 % europäische Vorfahren haben.
Nachdem Tom einen Blick auf seine Uhr geworfen hatte, sprang er plötzlich auf. »Amber wird mir den Kopf abreisen. Sie wollte doch noch ins Kino. Vielleicht sieht man sich ja noch Mal.«
»Man sieht sich immer zweimal«, erwiderte ich lächelnd.
Er leinte Lemon an und wir verabschiedeten uns. Ich machte mich ebenfalls auf den Weg. Die Sonne stand schon tief, doch ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es trotzdem noch viel zu früh war, um jetzt schon daheim vor dem Fernseher zu versauern. Also steuerte ich das nächste Café an, bestellte mir eine heiße Schokolade und hoffte, Hemmingway würde mir noch eine Chance geben.

Die Bedienung hatte mir gerade einen weiteren Bananensaft gebracht, als ich eine bekannte Stimme vernahm. »So schnell sieht man sich also wieder«, sagte Tom grinsend. Neben ihm lächelte mir - ich ging mal davon aus - Amber entgegen. »Das ist Amber.«
Sie reichte mir die Hand. »Amber Middleton, sehr erfreut dich kennenzulernen. Du warst also der Grund für Toms Vergesslichkeit.«
Ich lächelte verlegen. »Tut mir leid, aber Lemon brauchte Zuspruch, sonst wäre er wahrscheinlich nicht wieder mit Tom mitgegangen.«
Das Eis schien gebrochen. Amber setzte sich zu mir und ließ Tom links liegen. »Ich weiß nicht was mit Lemon los ist. Er ist jetzt 11 Monate alt und seit wir ihn vor zwei Monaten aus dem Tierheim geholt haben, knurrt er Tom nur an und stellt sich schützend vor mich, wenn Tom mir zu nahe kommt«, sie fing laut an zu lachen. »Das ist zu komisch, fast schon wie ein eifersüchtiger Ehemann«, sagte sie erneut lachend.
Tom hatte sich inzwischen auch einen Stuhl genommen und zwei Kaffee bestellt.
Amber war toll. Wir verstanden uns auf Anhieb. Sie passte zu Tom, sie redete genauso viel und ohne Punkt und Komma wie er.
Als Tom sie ans Kino erinnern wollte, winkte sie nur ab: »Dann gehen wir halt in den nächsten Film«, und bestellte sich noch einen Eistee.
»...nachdem was ich bisher von Buffalo gesehen habe, bin ich einfach nur begeistert. Der See, die vielen Parks und alles so nah an der kanadischen Grenze... Tom, ich hab mich entschieden«, bezog sie ihn zum ersten Mal in unsere Unterhaltung mit ein. »Wir werden uns hier ein hübsches kleines Appartement suchen. Die meisten unserer Freunde wohnen sowieso schon alle hier. Und außerdem muss ich Jen ja noch bei der Einrichtung ihres neuen Buchladens helfen.«
Ich starrte sie völlig perplex an. »Amber. Das war doch nur eine fixe Idee. Ich hätte doch gar nicht das Geld dafür, dass hängt in meinem College Fonds fest.«
»Ach, papperlapapp«, unterbrach sie mich. »Mit deinem Studium scheinst du doch gar nicht glücklich zu sein, was du mir bisher erzählt hast und deine Eltern nerven dich dahingehend auch gewaltig.«
»Ja, schon...«
»Siehst du«, unterbrach sie mich erneut.
»Aber mein Dad wird mir die Miete streichen, wenn ich jetzt die Uni hinschmeiße.«
»Mach dir da mal keine Sorgen. Wir finden schon eine Lösung«, zwinkerte sie mir zu.
Ohne weiter auf dieses Thema einzugehen, fragte sie schließlich »Sag mal, hättest du vielleicht Lust mit uns am Dienstag etwas trinken zu gehen. Wir treffen uns mit ein paar von Toms Kumpel.«
»Ich weiß nicht so recht. Am nächsten Tag hab ich zwar keine Vorlesung, aber dafür muss ich arbeiten.«
Daraufhin hielt sie mir ihr Handy vor die Nase. »Hier. Gib mir deine Nummer, ich ruf dich an und sag dir, wo wir hingehen, dann kannst du dir ja immer noch überlegen, ob du kommst oder nicht. Du kannst auch deinen Freund mitbringen.«
»Ähm... ich habe keinen Freund«, sagte ich und spürte, wie mir die Röte ins Gesicht schoss.
»Dann suchen wir dir einen«, grinste sie frech.
Sie gaben mir auch noch ihre Handy-Nummern, verabschiedeten sich und gingen dann los, um sich die Spätvorstellung im Kino anzusehen. Amber drehte sich noch einmal zu mir um und winkte mir lachend zu: »Bis Dienstag.«
Auf dem Heimweg dachte ich daran eventuell Robert einzuladen, verwarf den Gedanken aber gleich wieder. Ich wollte nicht zu aufdringlich erscheinen.

Gegen 23 Uhr schreckte ich durch einen schrillen Klingelton von der Couch hoch. ...Eine SMS von Rob.

   Entschuldige, dass ich mich jetzt erst melde. Aber der Tag
   war ziemlich stressig. Hoffentlich hab ich dich nicht geweckt.
   Ich wünsche dir eine gute Nacht. Kann ich dich morgen anrufen?
   Rob

Ich zögerte, tippte dann aber doch eine Antwort zurück.

   Ich bin erst gegen Abend zu Hause. Ich wünsch dir auch eine
   Gute Nacht.
   Jen

~oOo~

Der nächste Tag war ohne nennenswerte Vorkommnisse schnell vorbei gewesen. Ashley hatte tatsächlich den ganzen Sonntag mit Jackson im Bett verbracht und mir in der Mittagspause ohne Unterbrechung vorgeschwärmt, wie viel Männlichkeit in ihm steckte - in zweierlei Hinsicht.
In Maggies Laden war auch ausnahmsweise doch einmal soviel Kundenverkehr, dass ich eine Stunde länger als abgemacht blieb und ihr bei den Abrechnungen und beim Putzen half.

Auf dem Heimweg besorgte ich noch etwas Obst und Getränke. Jaaaa... ich scheine jetzt zum Gesundheitsfanatiker zu mutieren.
Ich schaute kurz auf die Uhr - es war bereits neun als ich den Schlüssel in die Wohnungstür steckte. Im gleichen Moment öffnete sich die Tür zum Treppenhaus. Ich drehte mich um und schon stand Rob vor mir.
»Oh, du kommst jetzt erst nach Hause?«, frage er erstaunt. »Ich wollte gerade nach dir schauen, weil ich dich telefonisch nicht erreichen konnte.«
Stirnrunzelnd zog ich mein Handy aus der Tasche. »Mmh... kein Wunder... der Akku ist leer«, grinste ich entschuldigend. »Möchtest du noch auf ein Bier mit reinkommen?«, fragte ich das Sixpack hochhaltend.
»Ähm... nein... ich wollte dich eigentlich nur fragen, ob du morgen Lust hast mit mir und ein paar Freunden etwas trinken zu gehen.«
»Ach so. Ich bin aber schon anderweitig eingeladen. Tut mir leid. Vielleicht ein andermal.« Damit hatte ich entschieden die Einladung von Amber und Tom anzunehmen.
»Klar. Kein Problem. Wir können ja nochmal telefonieren. Gute Nacht.« Sein Blick sah traurig aus und er klang enttäuscht.
»Okay. Gute Nacht«, antwortete ich schließlich nur.
Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um und verschwand wieder über den Treppenaufgang.

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