Jen lebt in Buffalo (NY) und arbeitet neben dem Studium in einem Buchladen, als sie an einem schicksalhaften Abend die Liebe ihres Lebens kennenlernt… Doch die Liebe allein kann sie vor ihrem Schicksal nicht beschützen.

Genre: Romanze/Erotik/Drama
Rating: P18

Sonntag, 25. September 2011

Kapitel 6: Unglaublich

***Robert POV***
Hatte es gerade geklingelt? Ich öffnete die Augen, hob den Kopf und spürte Jens warmen Körper an meinem. Ihr Kopf lag auf meiner Brust und sie atmete ruhig und gleichmäßig. ...Es klingelte tatsächlich jemand an der Tür. Ich hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn, hob sie vorsichtig an und legte sie behutsam aufs Kissen und hoffte, dass sie nicht aufwachte. So leise wie möglich stand ich auf, schnappte mir dabei meine Shorts, zog sie an und schlurfte zur Tür. ...Jackson... war ja klar.
»Hey man... was machst du denn für 'n Aufstand um die Uhrzeit?«, krächzte ich ihn an.
»Es ist 11 Uhr, Alter.«
»WAAAS?«, hörte ich es plötzlich unmittelbar hinter mir kreischen. »Ich hätte um neun im Laden sein sollen. Maggie wird mich umbringen.«
Ich hörte die Badezimmertür zuknallen und keine zwei Minuten später hüpfte Jen auf einem Bein wieder ins Wohnzimmer und versuchte sich einen Schuh anzuziehen.
»Verdammt, verdammt, verdammt«, hörte ich sie immer wieder vor sich hinfluchen und schaute ihr dabei belustigt zu, wie sie ihre Sachen zusammensuchte. Jackson konnte sich ebenfalls ein Grinsen nicht verkneifen.
»Jen... Jen... jetzt bleib doch mal stehen«, versuchte ich sie zu beruhigen und rannte hinter ihr her. »Ruf im Buchladen an und meld dich krank. Oder soll ich das für dich machen?«
»Nein... ich kann doch Maggie nicht alleine lassen«, schrie sie schon fast hysterisch.
»Sie wird das verstehen.«
Nach weiteren fünf Minuten quälender Diskussion hatte sie sich doch breitschlagen lassen und bei Maggie angerufen. Ich bekam nicht viel mit, da sie vom Schlafzimmer aus telefonierte, aber sie erzählte Maggie wohl vom gestrigen Vorfall.

»Maggie war so lieb zu mir am Telefon. Ich muss mich unbedingt bei ihr revangieren. Sie hat mir die ganze restliche Woche frei gegeben.« Es war schön, sie wieder lachen zu sehen. Aber trotzdem bereitete es mir Sorgen, dass sie das Geschehen so seelenruhig wegzustecken schien.
Jackson hatte glücklicherweise Jens Tasche bei den Toiletten gefunden und verabschiedete sich auch bald wieder, um ins Plattenstudio zu fahren. Vorher versicherte er Jen aber noch, dass er sich Kyle zur Brust nehmen werde.

~oOo~

Jen war in ihrem Schlafzimmer und zog sich um, als es an der Tür klopfte. Das war sicher Ashley... Jackson meinte, dass sie noch nach Jen schauen wolle. Ich öffnete die Tür und glaubte meinen Augen nicht zu trauen.
»Was willst du denn hier?«, fragte mich Kyle überaus verwundert und begann dreckig zu grinsen. »Respekt Alter... hast sofort die Gelegenheit genutzt… Wie ist sie denn so im Bett?«
Meine Faust schnellte vor und traf Kyle mitten im Gesicht. Irgendetwas knackte und Blut spritzte an die Wand. Er fiel vor mir auf die Knie und wandt sich schreiend am Boden.
»Du verdammtes Arschloch!«, nuschelte er gequält durch die blutverschmierten Hände. »Das werd' ich dir noch heimzahlen!«
Mit einem Tritt beförderte ich ihn Richtung Treppenhaus.
»Rob«, hörte ich Jen hinter mir leise sagen.
Ich drehte mich um und zog sie an mich. »Alles okay. Der wird hier nicht mehr auftauchen. Dafür sorge ich schon«, zog ich sie an meine Brust.
Sie zitterte am ganzen Körper und ich vernahm ein verhaltenes Schluchzen.

Während ich in ihrer Küche Kaffee kochte, hatte sie sich auf den Balkon zurückgezogen. Sie brauchte jetzt erst einmal frische Luft, hatte sie gemeint. Als ich zu ihr ging traute ich meinen Augen nicht. Hielt sie da tatsächlich eine Zigarette in der Hand?
»Darf ich auch mal ziehen?«, flüsterte ich ihr von hinten ins Ohr.
»Oh...«, sie zuckte zusammen und drehte mir erschrocken das Gesicht zu. Ich hauchte ihr einen Kuss auf die Wange und setzte mich auf den anderen Stuhl, während ich die beiden dampfenden Kaffeetassen abstellte.
»Ich hab dich bisher nie rauchen sehen«, stellte ich erstaunt fest.
»Gelegenheitsraucherin. Vor allem, wenn ich gestresst bin.« Ein verhaltenes Lächeln huschte über ihre Lippen. »Ist mit deiner Hand alles in Ordnung?«
»Ja, ich denke schon. Der Knöchel vom Mittelfinger schmerzt etwas, aber es ist halb so wild. Ich denke, Kyle hat da sicherlich mehr abbekommen, so wie er geblutet hat.« Jen verzog das Gesicht. »Oh... entschuldige. Ich werde nachher versuchen das Blut im Flur von der Wand zu wischen.«
»Nein, schon ok. Es ist nur der Gedanke an Kyle.« Hastig zog sie an ihrer Zigarette und schaute wieder auf den Eriesee hinaus.

»Die letzte Nacht war unbeschreiblich... wunderschön«, rutschte es mir nach einer Weile des Schweigens plötzlich raus.
Sie schnipste die Zigarette über die Balkonbrüstung, stand auf, setzte sich auf meinen Schoß und schlang ihre Arme um meinen Hals. »Ich hätte nie gedacht, dass mein erstes Mal so unbeschreiblich werden würde.«
Mir stockte der Atem. »Was?...«, brüllte ich fasst und musste mich angestrengt zurückhalten nicht aufzuspringen. »Aber... warum hast du mir das denn nicht gesagt? Ich dachte,... hatte angenommen... wie du dich... dass du...?«, stammelte ich gequält. Ich war verwirrt. Sie wirkte so selbstsicher, so erfahren und mit ihren Bewegungen hatte sie mich fast in den Wahnsinn getrieben.
Sie schmiegte sich an mich und lächelte, streichelte mir dabei über die Wange, bis ihre zarten Lippen meine umschlossen. Immer wieder forderte mich ihre Zunge zu einem leichten Duell heraus, sie knabberte an meiner Unterlippe und wir verschmolzen am Ende in einem Kuss, der uns beiden den Atem zu rauben schien.
»Jen«, brachte ich nur wispernd heraus, strich ihr über das Gesicht und ließ meine Hand langsam nach unten gleiten. Ihr Atem ging stoßweise. »Du bist so wunderschön«, flüsterte ich und bemerkte wie der Kloß in meinem Hals immer größer wurde. So etwas war mir noch nie passiert, aber es fühlte sich gut an.
Jen stöhnte leicht auf, als ich ihre Brust umfasste und durch den Stoff ihres T-Shirts hindurch liebkoste. Ich schlang meine Arme um ihre Taille, während sie sich weiter in mein Durcheinander von Haaren wühlte. Mein Gesicht versank in der kleinen Beuge an ihrem Hals und ich sog ihren süßlichen Duft ein.
Wie lange wir dort saßen, weiß ich nicht, als ihr Telefon schrill zu klingeln begann. Sie wollte mich jetzt nicht verlassen, aber nach dem ungefähr zehnten Klingeln, schob ich sie dann leicht von mir zurück ins Wohnzimmer.
»Hi Ash... ja klar können wir uns treffen. Maggie hat mir für den Rest der Woche frei gegeben. Rob ist auch hier, kann er...?«
Ich bekam nur noch ein leises Kichern und Glucksen mit, als sie sich ins Badezimmer zurückzog. ...Frauen!... Wahrscheinlich werde ich Ashley und Jackson nie wieder in die Augen sehen können ohne vor Scham im Boden zu versinken.
Ich zündete mir eine ihrer Zigaretten an, die Jen auf dem Balkontisch liegen gelassen hatte und dachte an die gestrige Nacht zurück... Wie sich alles... wie sie sich so gut angefühlt hatte und vor allem war es so befreiend... Ich hoffte die Vergangenheit endlich hinter mir lassen... neu anzufangen... mein Leben wieder genießen zu können... mit Jen.
Jens Arme umschlangen mich von hinten und rissen mich aus meinen Gedanken. »Wo bist du denn mit deinen Gedanken? Ich hoffe, nichts Unanständiges?«
»Oh doch. Ich dachte gerade an gestern Abend und wie du mich fast um den Verstand gebracht hast.«
Sie giggelte und küsste mich auf den Hals.
»War Ashley sehr neugierig?«
»Ja... aber sie hat nichts aus mir rausgekriegt«, grinste sie mich an.
Ich war erstaunt. Christine hatte immer stundenlang mit ihren Freundinnen telefoniert und sämtliche Einzelheiten unserer Liebesnächte vor ihnen ausgebreitet.
»Wir treffen uns in vier Stunden bei ihr. Ist das okay für dich?«
»Äh... ja klar«, stotterte ich noch völlig in meine Gedanken versunken.

~oOo~

***Jennifer POV***
Ich fiel Ashley in die Arme. »Oh Süße, dir scheint's wirklich besser zu gehen, du strahlst ja richtig«, lachte sie mir entgegen.
Verlegen merkte ich, wie mir die Röte ins Gesicht stieg. Ach du meine Güte, sah man es mir an? Wahrscheinlich stand mir mein Glück direkt auf die Stirn geschrieben, denn Ashleys Grinsen wurde immer breiter.
»So, nun erzähl mal was wir heute vorhaben«, versuchte ich sie abzulenken.
Jackson kam aus dem Badezimmer. »Hi ihr zwei. Tom hat vorhin angerufen. Er hat Karten für die Sabres in der VIP Lounge.«
»Echt. Wow. Gegen wen spielen sie denn?«, fragte ich voller Begeisterung.
»Ach, guck an. Ein kleiner Eishockeyfan... mmh?!«, lachte Jackson.
»Ich glaube gegen die Canadiens«, mischte sich Robert ein.

»WOW!«, entfuhr es mir ein weiteres Mal, als wir die Lounge betraten. Ich musste wirklich bescheuert aussehen, wie ich mit offenem Mund und großen Augen auf das Buffet vor mir starrte. Die Jungs zeigten sich völlig unbeeindruckt, warfen sich auf die drehbaren Sessel am Fenster und legten die Füße auf die Querstange vor ihnen.
Rob schlang plötzlich seine Arme von hinten um mich und verschränkte seine Hände vor meinem Bauch. Er hauchte mir einen Kuss hinters Ohr. »Na, gefällt es dir?«
»Es ist der Wahnsinn. Wer zahlt das denn alles?«, fragte ich noch völlig aus dem Häuschen.
»Sponsoren, soweit ich weiß«, antwortete Rob und zuckte mit den Schultern.
Ich seufzte. »Ehrlich gesagt, wäre ich aber viel lieber unten in der Halle.«
Rob zuckte ein weiteres Mal unbeeindruckt mit den Schultern. »Da ist es doch viel zu laut und eng.«
»Aber gerade das gehört zu einem Spiel dazu und Popcorn und Coke«, entgegnete ich und wunderte mich über seine Gleichgültigkeit.
Scheinbar wollte er nicht diskutieren oder sich eines Besseren belehren lassen, denn er antwortete nur: »Popcorn und Coke hat's hier auch.« Daraufhin ging er - mich an der Hand festhaltend - zu einem der Sessel, setzte sich und zog mich auf seinen Schoß. Ich schmiegte mich an seine Brust und verbarg mein Gesicht an seinem Hals, während ich tief sein herbes After Shave einatmete und die vorherige Diskussion in Vergessenheit geriet.

Während des Spiels schien Ashley sich vorgenommen zu haben mit Amber und mir sämtliche Cocktails auf der Karte auszuprobieren. Zu Beginn des dritten Drittels mussten wir sie allerdings von der Bar wegziehen, sonst hätten wir sie raustragen müssen. Die Aussicht darauf, dass wir nach dem Spiel noch ins 'Dive' wollten, überzeugte Ash schließlich.
Vom restlichen Match bekamen wir allerdings nicht sonderlich viel mit, da Rob, Tom und Jackson jede Musikeinspielung mit ihren eigenen Gesangseinlagen in die Länge zogen. Obwohl ich anfangs noch der festen Überzeugung war, dass die Stimmung in solch einem Separee nicht einmal annähernd die Hallenathmosphäre erreichen könnte, amüsierte ich mich köstlich. Als Ashley und Jackson einen heißen Lambada hinlegten, waren am Ende alle so aufgeheizt, dass uns der Schlusspfiff schon fast wie ein erlösendes Ventil vorkam.

Es war bereits nach 21.30 Uhr als wir das 'Dive' erreichten. Ich blieb wie angewurzelt davor stehen. Rob schaute mich fragend an als ich ihn an der Hand zurück hielt.
»Süße, ist alles in Ordnung?«, fragte Ashley scheinbar verunsichert.
Ich spürte eine angsteinflösende Welle auf mich einströmen. »Kyle«, brachte ich nur flüsternd heraus.
»Geht ihr doch schon vor, ich bleib mit Jen noch etwas draußen«, hörte ich Rob sagen. Er zog mich an sich und strich mir sanft übers Haar. »Jen, Kyle wird nicht mehr ins 'Dive' kommen.«
»Woher willst du das denn wissen?, kreischte ich schon fast hysterisch und versuchte mich von ihm zu lösen. Doch er hielt mich fest in seinen Armen.
»Bethany hat ihm Hausverbot auf Lebenszeit gegeben, nachdem sie von... davon erfahren hat.«
Das überzeugte mich nicht. »Das heißt aber noch lange nicht, dass er nicht doch wieder auftaucht. Robert, ich habe Angst, dass er es beim nächsten Mal zu Ende bringen wird.« Meine Stimme brach.
»Hast du mal darüber nachgedacht ihn anzuzeigen?«
Seine Frage war berechtigt. »Ja, das habe ich, aber das will und kann ich nicht. Ich möchte diesen Kerl nie wieder sehen. Wenn ich ihn anzeige, müsste ich ihn wahrscheinlich bei einer Gegenüberstellung identifizieren oder wie auch immer das abläuft und das würde ich nicht verkraften.«
Rob hielt mich an den Schultern fest und schob mich etwas von sich. »Jen, ich weiß, dass ich dir keine hundertprozentige Zusicherung geben kann, aber ich werde alles erdenklich mögliche tun, um dich zu beschützen.«
Als sich meine Augen mit Tränen füllten, zog mich Rob wieder an sich und hielt mich fest umschlungen. Es tat gut ihn so nah bei mir zu spüren. Doch all diese Zweifel und Ängste halfen nichts. Ich musste mein Leben weiterleben. Und Rob war nun ein Teil dieses Lebens. Ich entschloss mich zu kämpfen. Ich löste mich leicht von Rob und sah ihm in die Augen. »Okay. Lass uns reingehen.«
»Bist du sicher?«, fragte er zweifelnd.
»Ja. Ich möchte nicht ständig mit der Angst leben, dass er hinter jeder Ecke hervorspringen könnte.«
»Das ist gut. Und ich werde dir dabei helfen... wenn du mich lässt.«
»Sehr gerne.« Ich versuchte Rob mit einem Lächeln seine Zweifel zu nehmen, was mir scheinbar auch gelang. Er nahm mein Gesicht in seine Hände und gab mir einen zärtlichen jedoch leidenschaftlichen Kuss.

An der Bar bestellten wir uns jeder ein Bier und gingen zu unserem Stammplatz. Ashley und Jackson waren gerade im Begriff die Tanzfläche zu erobern, als Ashley innehielt und vor mir stehenblieb. »Ist alles in Ordnung?«, fragte sie.
»Ich denke schon«, lächelte ich sie gequält an. »Und nun hör auf dir Sorgen zu machen. Du weißt, dass die Falten auf deiner Stirn irgendwann einmal dauerhaft bleiben«, zog ich sie auf.
»Ach...«, winkte sie ab, »Wozu gibt's Botox.« Sie lachte auf, umarmte mich und zog Jackson zur Tanzfläche.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen